Diese Anwendung dient als interaktives Archiv für die Geschichte, den Fundort und die Übersetzung der luwischen Felsinschriften von Gürün. Ziel ist es, die wissenschaftlichen Erkenntnisse über König Runtija und die neo-hethitische Ära durch moderne Web-Technologie und RTI-Simulation (Licht-Steuerung) digital zugänglich und visuell erlebbar zu machen.
Wir verbinden archäologische Präzision mit haptischer Ästhetik, um den Stein für ein globales Publikum zum Sprechen zu bringen. Inschriften werden nicht nur beschrieben, sondern durch Interaktion sichtbar gemacht – Relief, Kanten und feine Strukturen werden klar lesbar.
Die Luwier besaßen eine eigenständige indoeuropäische Sprache, das Luwische, das vom 2. Jahrtausend v. Chr. bis in die frühe Eisenzeit verbreitet war. Parallel existierten zwei Schriftsysteme: das Keilschrift-Luwische und das Hieroglyphen-Luwische. Letzteres entwickelte sich zu einer eigenständigen Bildschrift, die insbesondere in monumentalen Kontexten Verwendung fand [37].
Ein herausragendes Beispiel sind die Felsinschriften von Gürün im Suğul-Tal (Provinz Sivas). Sie bestehen aus zwei Versionen desselben Textes, die in luwischen Hieroglyphen in Granitfelsen eingemeißelt wurden. Der Text beginnt mit einer Widmung an zentrale Gottheiten des luwischen Pantheons, darunter Tarhunza, Hibadu und Šarruma, und nennt anschließend den Stifter der Inschrift: Runtiya, Herrscher von Malida, Enkel des Großkönigs Kuzi-Teššub von Karkemiš und Sohn des PUGNUS-mili [38].
Die Datierung der Inschrift in das späte 12. oder frühe 11. Jahrhundert v. Chr. fällt in eine Phase tiefgreifender Umbrüche nach dem Zusammenbruch des hethitischen Großreiches. In dieser Zeit formierten sich regionale Machtzentren, die ihre Legitimität zunehmend über monumentale Inschriften im öffentlichen Raum absicherten [39]. Die luwischen Felsinschriften fungierten dabei als dauerhafte Markierungen von Herrschaft und Erinnerung.
Die Platzierung der Inschriften an markanten, teils schwer zugänglichen Orten ist kein Zufall. Sichtbarkeit, Dauerhaftigkeit und landschaftliche Einbettung verstärkten ihre symbolische Wirkung. Die luwischen Felsinschriften sind somit als hybride Medien zu verstehen, in denen Schrift, Bild und Raum eine untrennbare Einheit bilden.
[36] Vgl. Sachs-Hombach, Klaus: Bildwissenschaften. Frankfurt a. M. 2005.
[37] Vgl. Casaretto, Antje et al. (Hrsg.): Comparative Indo-European Linguistics. Amsterdam 2018, S. 28.
[38] Vgl. Zangger, Eberhard: Die Luwier und der Trojanische Krieg. Frankfurt a. M. 2017.
[39] Vgl. Hawkins, J. David: Corpus of Hieroglyphic Luwian Inscriptions. Berlin 2000.






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